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17.05.2017

WM-Team Deutschland im Portrait: Igor Teziev

„Kaum einer schlägt so hart“ – so lautete die Schlagzeile 2010 in der Tageszeitung seiner Heimatstadt. Damals war Igor Teziev (auf dem Foto in Rot) erst 17. Doch in Esslingen ahnte man bereits damals, dass es der Realschüler und junge Kämpfer vom örtlichen Verein Fit-Boxing einmal weit bringen könnte.

Dank harter Arbeit schwer im Kommen

Es ist eine Lebensgeschichte, wie sie das Boxen schreibt und vom Prinzip her längst viele erfolgreiche Athleten mit dem Bundesadler auf der Trikotbrust prägt: Am 8. Februar 1993 in Alagir geboren, einer Industriestadt in der russischen Teilrepublik Nordossetien-Alanien, kam Teziev zwölf Jahre später ins Training von Erik Fuhrmann. Das zahlte sich aus: 2013 wurde Teziev in seiner neuen Heimat Esslingen bereits erstmals zum Sportler des Jahres  gekürt. Und vom 25. August bis 2. September dieses Jahres soll Teziev im Schwergewicht bis 91 Kilogramm die deutschen Farben bei der WM in Hamburg vertreten.

Integration durch Boxen

Die Biografie von Teziev belegt: Boxen steht auch für die gelungene Integration von Einwanderern. „Zum Boxen ist er aus Neugier gekommen, um etwas Neues auszuprobieren und sich unter Gleichstarken zu messen“, erinnert sich Coach Fuhrmann an das Jahr 2005. Schnell erkannte er, um welches Kaliber es sich bei seinem Schützling handelte. Und Fuhrmann begann, den Rohdiamanten zu schleifen. Bereits ab 2009 trug sich Teziev dank harter Arbeit im Fit-Boxing-Gym stets ganz oben in die Siegerlisten seiner jeweiligen Alters- und Gewichtsklasse ein. Schon bald fanden sich kaum noch Gegner, die bereit waren gegen ihn anzutreten. Glücklicherweise erkannten auch Funktionäre beim Box-Verband Baden-Württemberg und beim Deutschen Boxsport-Verband das Talent. Inzwischen trainiert Teziev am Olympiastützpunkt Rhein-Neckar in  Heidelberg. Als Sportsoldat der Bundeswehr-Fördergruppe in Bruchsal findet er optimale Bedingungen vor, um Leistungssport zu betreiben.

National und international erfolgreich

Er ist nicht nur kämpferisch, sondern auch mental stark, ausdauernd und zielstrebig“, sagt Tezievs Heimtrainer Fuhrmann. Diese Eigenschaften stellte sein Schützling nicht nur mit mehreren Deutschen Meister-Titeln – seit 2012 auch in der Eliteklasse – unter Beweis, sondern ebenso mit internationalen Erfolgen. Dabei gelang ihm neben dem oft nicht einfachen Übergang in die Männerklasse obendrein der Wechsel seines Limits scheinbar mühelos, wie es sich für echte Champions gehört. Doch der Reihe nach: 2013 wurde er nach einer Serie von Erfolgen im Vorjahr Dritter der U22-Europameisterschaften im Halbschwergewicht bis 81 Kilogramm. Und als amtierender Deutscher Elite-Meister in dieser Klasse bezwang er 2014 sensationell den Asienmeister Kim aus Korea beim Internationalen Chemiepokal-Turnier (CPT) in Halle/Saale. Dort gelang ihm übrigens mit der Bronzemedaille ebenso der Durchbruch wie CPT-Sieger Abbas Baraou, der heute als deutsche Nummer 1 seines Welter-Limits bis 69 Kilogramm ebenfalls im WM-Kader 2017 steht. Teziev erreichte bei den 1. European Games in Baku (Aserbeidschan) 2015 das Viertelfinale, damals noch im Halbschwer. Ganz stark: Noch im selben Jahr wurde Teziev erstmals Deutscher Meister im Schwergewicht bis 91 Kilogramm. In diesem Limit will er seine bisherige Karriere krönen: mit einer WM-Medaille in Hamburg.

Auf boxing2017.com stellen wir noch weitere Spitzenboxer aus dem deutschen Team für die World Boxing Championships 2017 in Hamburg vor: Silvio Schierle, Christos Cherakis, Hamza ToubaAbbas Baraou. Folgt uns auf Facebook oder schaut hier regelmäßig vorbei – es kommen bald neue!

Info
Die WM-Titel im olympischen Boxen werden in folgenden zehn Gewichtsklassen vergeben: Halbfliegen- (bis 49 Kilogramm Körpergewicht), Fliegen- (bis 52 Kilogramm), Bantam- (56), Leicht- (60), Halbwelter- (64), Welter- (69), Mittel- (75), Halbschwer- (81), Schwer- (91) und Superschwergewicht (über 91 Kilogramm). Als WM-Gastgeber stellt Deutschland ein komplettes Team, also zehn Starter, die automatisch qualifiziert sind. In loser Folge stellen wir auf dieser Seite die jeweilige Nummer eins mit dem Bundesadler auf der Trikotbrust vor, die der Deutsche Boxsport-Verband (DBV) nach dem Internationalen Chemiepokal-Turnier (CPT) in Halle 2017 nominiert hat. Dort gewann Deutschland drei Goldmedaillen und platzierte sich hinter der Boxnation Kasachstan auf Rang zwei. Das beim Weltverband AIBA renommierte CPT hat traditionell den Charakter einer „Mini-WM“.

© Peter Jaschke

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