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06.06.2017

WM-Team Deutschland im Porträt: Murat Yildirim

Murat Yildirim kommt ins Rollen“ – so beschrieb Boxjournalist Wolfgang Wycisk den Beginn einer eindrucksvollen Entwicklung. Es war im vergangenen November, als der Leichtgewichtler, vom dem hier die Rede ist, endgültig auf die Überholspur wechselte: Der Berliner wurde trotz einer schmerzhaften Kampfverletzung während des Turniers Deutscher U21-Vizemeister. Er holte dennoch schon eine Woche darauf wie im Vorjahr Bronze in der nationalen Eliteklasse, auch wenn er das nicht als Erfolg ansah, weil er mit der umstrittenen Halbfinalniederlage haderte.

Über Halle nach Hamburg

Doch mit der Goldmedaille beim Internationalen Chemiepokal-Turnier (CPT) in Halle krönte der 20-jährige Sportsoldat der Bundeswehr im vergangenen März seine bisherige Karriere. Darauf nominierte der Deutsche Boxsport-Verband den harten Jungen mit Nehmerqualitäten aus dem Berliner Stadtteil Kreuzberg für die WM vom 25. August bis 2. September in Hamburg. Bereits mit damals 19 wurde Yildirim als mehrfacher Deutscher Serienmeister seiner Altersklassen national erstmals Dritter bei den Männern. Das ließ 2015 zunächst auf einen geglückten Übergang vom Nachwuchs- in den Elitebereich schließen.

International Respekt verschafft

Dass er auch auf internationaler Bühne großes Potenzial aufweist, belegten vor seinem CPT-Finalsieg 2017 gegen den hochfavorisierten US- Amerikaner Delante Johnson bereits jeweils fünfte Plätze bei Jugend-WM und -EM. Deshalb ist es keine Frage, dass der Schützling von Ralf Dickert und inzwischen vor allem von Mike Hanke zu den Spitzenleuten des Limits bis 60 Kilogramm in Deutschland und Europa gezählt werden muss.

„Wie ein Florett setzt er seinen Jab ein, und das bekommt die Konkurrenz schmerzhaft zu spüren.“ So hat es Experte Wycisk bei einem von Yildirims rund 150 Kämpfen beobachtet. Dabei war Yildirim schon drauf und dran, das Handtuch zu werfen. Die Tageszeitung „Berliner Kurier“ erzählte die schöne Geschichte, wie Yildirim als Junge erst gar nicht zum Boxen gehen wollte und Freundin Kati kürzlich seine Karriere rettete: Diesem Artikel zufolge war es ein Onkel namens Nazim Güngör, der Klein-Murats Talent erkannte und ihn immer wieder zum Training brachte, obwohl sein damals erst sechsjähriger Neffe lieber kicken gehen wollte. Aber Yildirim blieb dabei und machte seiner aus Trabzon stammenden Familie viel Ehre.

Gestärkt aus der Krise heraus

Vor gut zwei Jahren offenbarte sich dann doch eine mentale Krise, wie sie gerade bisher erfolgsverwöhnte Youngster zwischen Jugend- und Männerklasse bisweilen erleiden: „Murat hatte mit seiner Ausbildung zum Groß- und Außenhändler und mit Problemen in der Familie zu kämpfen. Und verlor die Konzentration auf seine Kämpfe im Ring.“ So schrieb es der „Kurier“ auf. Als der ehrgeizige Yildirim die Boxhandschuhe frustriert an den Nagel hängen wollte, konnte ihn „seine“ Kati zum Glück davon abhalten: Selbst Boxerin am Berliner Sportinternat, wusste Ekaterini Stamatoglou, so ihr voller Name, „ihren“ Murat wieder zu motivieren. In der Folge trainierte er mit seinem neuen Coach Hanke so hart wie nie zuvor – und holte Gold beim CPT. Der Erfolg ist wieder da. Was für eine Geschichte, und was für ein Athlet. Man sollte ihn gesehen haben. Bei der WM vom 25. August bis 2. September in Hamburg.

Auf boxing2017.com stellen wir noch weitere Spitzenboxer aus dem deutschen Team für die World Boxing Championships 2017 in Hamburg vor: Max Keller, Omar El-Hag, Igor Teziev, Silvio Schierle, Christos Cherakis, Hamza ToubaAbbas Baraou. Folgt uns auf Facebook oder schaut hier regelmäßig vorbei – es kommen bald neue!

Info
Die WM-Titel im olympischen Boxen werden in folgenden zehn Gewichtsklassen vergeben: Halbfliegen- (bis 49 Kilogramm Körpergewicht), Fliegen- (bis 52 Kilogramm), Bantam- (56), Leicht- (60), Halbwelter- (64), Welter- (69), Mittel- (75), Halbschwer- (81), Schwer- (91) und Superschwergewicht (über 91 Kilogramm). Als WM-Gastgeber stellt Deutschland ein komplettes Team, also zehn Starter, die automatisch qualifiziert sind. In loser Folge stellen wir auf dieser Seite die jeweilige Nummer eins mit dem Bundesadler auf der Trikotbrust vor, die der Deutsche Boxsport-Verband (DBV) nach dem Internationalen Chemiepokal-Turnier (CPT) in Halle 2017 nominiert hat. Dort gewann Deutschland drei Goldmedaillen und platzierte sich hinter der Boxnation Kasachstan auf Rang zwei. Das beim Weltverband AIBA renommierte CPT hat traditionell den Charakter einer „Mini-WM“.

© Peter Jaschke

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