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21.06.2017

WM-Team Deutschland im Porträt: Ibrahim Bazuev

Hamburger Boxfans erinnern sich bestimmt noch an die ersten Erfolge von Ibrahim Bazuev. Der heute 23-jährige deutsche WM-Starter im Halbschwergewicht bis 81 Kilogramm machte bereits 2008 mit Finalsiegen bei den Verbandsmeisterschaften in der Hansestadt und bei den Norddeutschen Titelkämpfen auf sich aufmerksam. Sein früherer und bis heute von Bazuev hochgeschätzer Trainer Frank Rieth weiß es jedenfalls noch genau: „Er zeichnete sich schon damals mit hervorragendem Faustfechten aus, indem er also Treffer setzte, ohne selbst getroffen zu werden.“

“Treffen ohne selbst getroffen zu werden”

Als ältestes Kind einer Familie aus dem russischen Dagestan kam das 1994 geborene Box-Talent mit elf Jahren zur Sportschule Agon in Hamburg, wo der Diplom-Sportwissenschaftler und A-Lizenztrainer Rieth mit Leib und Seele Box-Coach ist. Aus der Sportschule Agon, seit langem für hervorragende Jugend- und Integrationsarbeit bekannt, ist 2004 auch die spätere Profiweltmeisterin Susi Kentikian als Deutsche Jugendmeisterin hervorgegangen. Bazuev blieb dieser Durchbruch zunächst verwehrt, da seine  Familie nur über eine Duldung der Ausländerbehörde verfügte. Wie Rieth betont, gewann sein damaliger Schützling aber beeindruckend das internationale „Turnier der Olympischen Hoffnung des Nordens” in Wismar.

Der Knoten ist geplatzt

Der berühmte Knoten platzte beim inzwischen eingebürgerten Bazuev, nachdem er mit der vollen Zustimmung seines Hamburger Heimatvereins im Herbst 2014 an den Olympiastützpunkt in Köln wechselte. Dort ließ die bessere finanzielle und personelle Ausstattung eine optimale Förderung dieses Spitzenathleten zu. Der Plan ging auf: Nur einen Monat später gewann Bazuev endlich seinen zweiten Deutschen Meistertitel, diesmal bei der U21 in Moers. Seitdem konnte er sich konstant weiter an der deutschen Spitze etablieren. Im Trikot des SC Colonia 06 Köln wurde er zweimal nationaler Vizemeister der Eliteklasse. Kurz vor Weihnachten 2016 gewann er neben dem superschweren Max Keller Bronze für Deutschland bei einem stark besetzten internationalen Turnier in Sibirien.

Endlich im Nationalkader

„Endlich ist Ibrahim da, wo er immer hin wollte und gehörte: im Nationalkader“, freut sich Rieth riesig über diese Karriere, die 2017 in der Nominierung für die WM in Bazuevs deutscher Heimat Hamburg gipfelte. Der Halbschwere hatte zuvor das internationale Chemiepokal-Turnier (CPT) gewonnen und dort neben Abbas Baraou (Weltergewicht) und Murat Yildirim (Leichtgewicht) eine der drei Goldmedaillen für Deutschland geholt. Das Höhentraining mit fünf weiteren WM-Startern im Tiroler Ötztal hatte sich Bazuev verdient. „Das Trainingslager hat Ausdauer und Kraft verbessert“, fand Bazuev. Der halbschwere CPT-Sieger 2017, der für SC Colonia Köln boxt, aber aus der Hansestadt stammt, sieht sich dank dieser Grundlagen „auf dem richtigen Weg zur WM in meiner Heimatstadt Hamburg“. Das Training sei „von der Belastung her gut strukturiert“ gewesen. Von seinem erfahrenen Kölner OSP-Trainer Gregory Tolkovets fühlte er sich dort ebenso stark motiviert wie vom neuen DBV-Coach Eddie Bolger aus Irland, der ja für Halbschwere ein gutes Händchen zu haben scheint: Er formte Joe Ward, Irlands Europa- und Vizeweltmeister in diesem Limit von 2015. Wenn das keine gute Zeichen für die WM in Hamburg vom 25. August bis 2. September sind… Bazuev ist bereit alles dafür zu geben.

Auf boxing2017.com stellen wir noch weitere Spitzenboxer aus dem deutschen Team für die World Boxing Championships 2017 in Hamburg vor: Salah Ibrahim, Murat Yildirim, Max Keller, Omar El-Hag, Igor Teziev, Silvio Schierle, Hamza ToubaAbbas Baraou. Folgt uns auf Facebook oder schaut hier regelmäßig vorbei – es kommen bald neue!

Info
Die WM-Titel im olympischen Boxen werden in folgenden zehn Gewichtsklassen vergeben: Halbfliegen- (bis 49 Kilogramm Körpergewicht), Fliegen- (bis 52 Kilogramm), Bantam- (56), Leicht- (60), Halbwelter- (64), Welter- (69), Mittel- (75), Halbschwer- (81), Schwer- (91) und Superschwergewicht (über 91 Kilogramm). Als WM-Gastgeber stellt Deutschland ein komplettes Team, also zehn Starter, die automatisch qualifiziert sind. In loser Folge stellen wir auf dieser Seite die jeweilige Nummer eins mit dem Bundesadler auf der Trikotbrust vor, die der Deutsche Boxsport-Verband (DBV) nach dem Internationalen Chemiepokal-Turnier (CPT) in Halle 2017 nominiert hat. Dort gewann Deutschland drei Goldmedaillen und platzierte sich hinter der Boxnation Kasachstan auf Rang zwei. Das beim Weltverband AIBA renommierte CPT hat traditionell den Charakter einer „Mini-WM“.

© Peter Jaschke

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