News

23.06.2017

WM-Team Deutschland im Porträt: Artem Harutyunyan

Mit dem Anfangsbuchstaben H verbindet sich viel für Artem Harutyunyan. Nicht nur, dass sein Familienname damit beginnt, ist auch Hamburg ein H-Wort. Der Schauplatz der Box-Weltmeisterschaften vom 25. August bis 2. September bedeutet Heimat für unseren Hoffnungsträger im Halbweltergewicht. Denn hier ist er aufgewachsen. Als „Held von Rio de Janeiro“ holte Harutyunayn als einziger deutscher Boxer bei den olympischen Spielen 2016 eine Medaille. Und zwar die erste olympische Box-Medaille für Deutschland seit 2004. H wie Hurra! Damals waren die Deutschen Vitali Tajbert und Rustam Rachimow in Athen erfolgreich gewesen.

Der Erfolg von Rio gibt Selbstvertrauen

Bei den Heim-WM in der Hansestadt, den ersten Welttitelkämpfen im Boxen auf deutschem Boden seit 1995 in Berlin, will Harutyunyan nicht wie in Rio der einzige mit Edelmetall sein. Doch ein erneuter Medaillenrang soll auch für ihn herausspringen. Am liebsten will der 26-Jährige nach Olympiabronze nun das heißersehnte Happy End als Amateur-Weltmeister feiern.

Vom Flüchtling zum Champion

Profi-Weltmeister ist er ja schon: Als der frühere Flüchtlingsjunge aus Armenien 2015 in Hamburg den Titel der damaligen Profiserie des Weltverbands AIBA gewann, schrieb er bereits Historie – schon wieder ein H-Wort.  Denn Harutyunyan ist und bleibt der erste und letzte Champion seines Limits bis 64 Kilogramm. Das liegt daran, dass das AIBA Profi-Boxen, kurz APB, als vorübergehender dritter Arm dieses Weltverbands neben den Amateuren und dem semiprofessionellen Teamwettbewerb World Series of Boxing (WSB) aus finanziellen Gründen eingestellt wurde. So darf Harutyunyan zu Recht stolz darauf sein, dass der hart erkämpfte Titel, den er gerne verteidigt hätte, bei ihm geblieben ist, wie er im Gespräch mit Oliver Jensen für das BoxSport-Magazin  (Nummer 6/2017) erzählte.

Für Matthias Heidrich (mit H vorne) vom Norddeutschen Rundfunk ist Harutyunyans Geschichte „ein Box-Märchen“, so der Titel seines Beitrags, über den Weg „vom Flüchtlingskind aufs olympische Treppchen“.

Klitschko Brothers reloaded?

Bei diesem Aufstieg war und ist Bruder Robert, im Leichtgewicht bis 60 Kilogramm selbst ein starker Boxer, meistens an Artems Seite. Inzwischen wohnen beide „Harutyunyan-Brothers“, wie sie sich in sozialen Netzwerken selbst gerne nennen, wieder in Hamburg, wo die Familie 1991 auf der Flucht vor dem Krieg in Armenien ankam. Dass er heute die Nummer eins in seiner Klasse ist, verdankt Artem neben väterlicher Prägung, Talent, Disziplin und Ehrgeiz auch den früheren Trainern beim interkulturell ausgerichteten Turnerbund Hamburg (TH) Eilbeck, wo es verschiedene Kampsportangebote gibt. Harutyunyan gilt landauf, landab als Paradebeispiel dafür, wie Integration durch Boxsport gelingen kann.

[/su_youtube]

Träger des Silbernen Lorbeerblatt

Einem breiteren Publikum wurde er bekannt, als er am 23. August 2016 beim Empfang der Olympioniken im Frankfurter „Römer“ vor laufenden Fernsehkameras mit dem damaligen Bundespräsidenten Joachim Gauck zu sehen war. Gauck hatte ihm zuvor – wie allen Olympiamedaillengewinnern – das Silberne Lorbeerblatt verliehen. „Das war eine große Ehre für mich“, sagte der Boxer dem Sender NDR.

Auch außerhalb seiner Disziplin wird der eloquente Sympathieträger längst geachtet und respektiert: Als die besten Ski-Rennläufer Deutschlands am Olympiastützpunkt (OSP) Rhein-Neckar in Heidelberg Anfang Juni ein medial vielbeachtetes Gasttraining mit den WM-Hoffnungen absolvierten, wirkten der Weltklasseslalomläufer Felix Neureuther und der Weltklasseboxer Harutyunyan beim spielerischen Sparring für die TV- und Pressekameras wie alte Kumpel.

Volle Konzentration auf einen Titel in Hamburg

Im „echten“ Boxtraining fährt Harutyunyan inzwischen zweigleisig: In Hamburg betreut der frühere Leichtgewichtsweltmeister Artur Grigorian den ehrgeizigen Athleten der Bundeswehr-Sportfördergruppe. Zur unmittelbaren Wettkampfvorbereitung arbeitet er dann wieder mit Michael Timm am Bundesstützunkt in Schwerin zusammen, wo Harutyunyan zwischenzeitlich lebte und wo auch schon die Grundlagen für Olympia-Bronze gelegt wurden. Timm, früherer Chemiepokalsieger und Europameister im Halbmittelgewicht, ist als Trainer sowohl im Profi- als auch im Amateurlager ein erfolgreicher Meistermacher. Von den Stärken beider Betreuer weiß Harutyunyan zu profitieren.

Beim Höhentrainingslager in Sölden im österreichischen Ötztal zeigte er sich fokussiert auf den Höhepunkt des Sportjahres 2017. Nach den Mountainbike-Touren mit steilen Anstiegen im mitunter rauen Bergklima erklärte Harutyunyan: „Kein Wind und Wetter konnte uns aufhalten. Unser Ziel ist es, Weltmeister in Hamburg zu werden.“ Keine Frage: Unsere Hoffnung im Halbweltergewicht aus der Hansestadt ist für die Heim-WM hochmotiviert, um es mit möglichst vielen H-Worten auszudrücken. H wie Harutyunyan.

Auf boxing2017.com haben wir noch weitere Spitzenboxer aus dem deutschen Team für die World Boxing Championships 2017 in Hamburg vorgestellt: Ibrahim Bazuev, Salah Ibrahim, Murat Yildirim, Max Keller, Omar El-Hag, Igor Teziev, Silvio Schierle, Hamza ToubaAbbas Baraou.

Folgt uns auch auf Facebook oder schaut hier regelmäßig vorbei!

Info
Die WM-Titel im olympischen Boxen werden in folgenden zehn Gewichtsklassen vergeben: Halbfliegen- (bis 49 Kilogramm Körpergewicht), Fliegen- (bis 52 Kilogramm), Bantam- (56), Leicht- (60), Halbwelter- (64), Welter- (69), Mittel- (75), Halbschwer- (81), Schwer- (91) und Superschwergewicht (über 91 Kilogramm). Als WM-Gastgeber stellt Deutschland ein komplettes Team, also zehn Starter, die automatisch qualifiziert sind. In loser Folge stellen wir auf dieser Seite die jeweilige Nummer eins mit dem Bundesadler auf der Trikotbrust vor, die der Deutsche Boxsport-Verband (DBV) nach dem Internationalen Chemiepokal-Turnier (CPT) in Halle 2017 nominiert hat. Dort gewann Deutschland drei Goldmedaillen und platzierte sich hinter der Boxnation Kasachstan auf Rang zwei. Das beim Weltverband AIBA renommierte CPT hat traditionell den Charakter einer „Mini-WM“.

© Peter Jaschke

 

sponsored by

Send this to a friend